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Aufklärung zum Drogenkonsum

Vor zwei Wochen hatte ich an dieser Stelle Gelegenheit die Wichtigkeit einer offenen sexuellen Aufklärung von Jugendlichen zu betonen und dieses vor allem angesichts der Flut von Pornographie, die seit einigen Jahren allzu leicht zugänglich geworden ist. Es sollte vor allem darauf hingewiesen werden, dass der schambehaftete und zu vorsichtige Umgang mit diesem Thema in Schule und Elternhaus folgenreich sein kann. Wie steht es jedoch mit der zweiten ebenso wichtigen Aufklärung, die zum Drogenkonsum?

Tatsächlich scheint es vielen Eltern zunächst sogar leichter zu fallen mit ihren Kindern (relativ) offen über die eigene Sexualität zu sprechen, als über den eigenen Konsum von Drogen, die Körper und Psyche eines Kindes weit stärker schaden können, als der sexuelle Umgang mit dem eigenen oder einem anderen Körper. Im schulischen Rahmen wird das Thema Drogengebrauch gerne dem Ethik- oder Religionsunterricht überlassen, welches dort bis heute schamhaft moralisierend und letztendlich kontraproduktiv zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Legale und illegale Substanzen

Natürlich soll nicht verschwiegen werden, dass eine ausgewogene und ehrliche Aufklärung zum Drogenkonsum sich bei diesem Thema als ungemein schwierig erweist, was insbesondere für die Schule als staatlicher Institution auch an diversen juristischen Fallstricken liegt. Selbst wenn eine liberale Drogenaufklärung mittlerweile dazu neigt ein gesellschaftliches Recht auf Rausch zu postulieren, was zu verleugnen angesichts der im öffentlichen Raum überall plakatierten Alkoholreklamen auch äußerst bigott wäre, erweist sich der Umgang mit (noch) illegalen Drogen als äußerst schwierig, da sich die wenigsten Lehrer dem Risiko aussetzen wollen, eine nicht auf legalem Wege zu erwerbende Substanz verharmlost zu haben.

Eltern sind in dieser Hinsicht zwar weniger legale Schranken gesetzt jedoch dafür große psychologische. Zunächst einmal fürchten Erwachsenen den Gesichtsverlust vor Jugendlichen wie der Teufel das Weihwasser, weil sie befürchten, dass ihre  während der Phase der Pubertät ohnehin schwindende Autorität gänzlich verloren gehen könnte, wenn sie als moralisch und juristisch angeschlagene ältere Menschen auf diese Weise jugendliche Verhaltensmuster zugeben.

Alkohol

Hinzu kommt die Unaufrichtigkeit, dass zwar die meisten Erwachsenen in Gegenwart von Kinder Alkohol konsumieren, jedoch noch mit dem halbgefüllten Bierglas in der Hand diese vor den Gefahren des Rausches und dem bitteren Geschmack des Getränkes warnen. Da Kinder, wie an anderer Stelle bereits angeführt, hauptsächlich am Vorbild der Erwachsenen lernen und weniger durch gut gemeinte Regeln und Ratschläge, erscheint das Verhalten des Erwachsenen nicht nur nachahmenswert, sondern sein Umgang mit der Substanz widersprüchlich und allein schon deshalb die kindliche Neugierde erweckend. Erschreckende Zahlen belegen, dass der Alkoholismus unter Jugendlichen seit Jahren stetig zunimmt und das Einstiegsalter in den Konsum dieser Droge ebenfalls sinkt. Allerdings müssen sich die Politik und die Alkoholindustrie in diesem Zusammenhang den Vorwurf gefallen lassen, dass die Droge einerseits zu einfach und zu billig in Kinderhände gelangt und andererseits, und dieses spätestens seit der Einführung der überzuckerten s.g. Alkopops, dass Jugendliche als Ziel- und Käufergruppe entdeckt und aktiv umworben werden dürfen.

Cannabis

Eine realistische Aufklärung über Wirkung und Gefahren von Cannabis wird in den letzten Monaten durch eine häufig zu positive Darstellung der Substanz in den Medien konterkariert. Während man nicht müde wird die Gefahren des Alkohols in Gesundheitsmagazinen aller Art zu beschwören, erscheint der gemütlich gepaffte Joint, wenn z.Zt. auch noch illegal, als harmlose und beinahe jugendgerechte Alternative. Man schwärmt von beruhigenden und kreativen und vielfältigen positiven medizinischen Wirkungen der Substanz – und verweist auf einige nordamerikanische Staaten, welche den Konsum bereits mit guten Erfolg legalisiert haben.

Zu kurz kommt jedoch die Aufklärung über die psychotischen Wirkungen des THC. Tatsächlich weiß die Psychiatrie um die psychoseauslösenden Wirkung der Substanz vor allem beim Erstkonsum, mit der Einschränkung allerdings, dass die Psychose über kurz oder lang ohnehin ausgelöst worden wäre. Nichts desto weniger dürfte eine fröhliche Runde entspannter Kiffer kaum der richtige Moment sein um seinen ersten psychotischen Schub zu erleben, vor allem im Hinblick auf eine erforderliche Hilfeleistung und -bereitschaft.

Aufklärung zum Drogenkonsum

Eine mir bekannte Mutter ist den offensiven Weg gegangen. Sie hat mit ihrem damals sechszehnjährigen Sohn aus in Holland erworbenen Hanfsamen Cannabis im eigenen Garten angebaut und konsumiert dieses hin und wieder mit ihm. Zusätzlich haben sich Mutter und Sohn im Internet und allerlei Fachliteratur über die Gefahren des Konsums informiert und klären andere Eltern und ihren Freundeskreis hierüber auf.

Ich nehme die Frage vorweg: Nein, ich rate nicht dazu diesem Beispiel zu folgen, aber vielleicht wäre es eine gute Idee dieses Modell seinen Kindern vorzustellen und sie zu fragen, was sie von einem solchen Umgang und wenn auch nur  in der Theorie halten würden. Vielleicht entspannt sich dadurch das Gespräch vor dem man soviel Scheu hatte es als Eltern zu beginnen und es ergibt sich die Gelegenheit zu einer ehrlichen Aufklärung zum Drogenkonsum.

One Reply to “Aufklärung zum Drogenkonsum”

  1. Aufklarung : Interdisziplinares Jahrbuch zur Erforschung des 18. Jahrhunderts und seiner Wirkungsgeschichte. Wissenschaftliche Beitrage zum 24. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft fur Psychologie (DGPs) : 25. bis 27. Mai 2006 in Wurzburg.

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